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Allgemeines

Was meinen wir, wenn wir von Salafismus sprechen? Vor welche Herausforderungen stellt der gewaltbereite Salafismus das Land Nordrhein-Westfalen? Erfahren Sie hier mehr über grundlegende Begriffe und die Situation im Bundesland.

Was ist Salafismus?

Der Begriff Salafismus bezeichnet eine ultrakonservative Strömung innerhalb des sunnitischen Islams. Er geht zurück auf die "al-salaf al-salih" („rechtschaffene Altvordere“), die ersten drei Generationen von Gläubigen nach dem Tod des Propheten Mohammed. Der Salafismus strebt eine Rückkehr zu vermeintlich authentischen Werten des Islams im 7. Jahrhundert nach Christus an. Das heißt, dass grundlegende Quellen des Islams, wie der Koran oder die Sunna (die Überlieferungen des Propheten Mohammed), als unveränderlich und wortwörtlich gültig angesehen werden. Unterschiedliche Auslegungen und Interpretationen des Islams lehnen Salafistinnen und Salafisten dementsprechend als „Unglauben“ ab. 

Extremistischer Salafismus nutzt religiöse Begründungen

Beschränkt sich diese religiöse Überzeugung auf das Privatleben von Salafistinnen und Salafisten, spricht man auch von „puristischem Salafismus“. Gläubige versuchen, alle entsprechenden Regeln in ihrem Alltag möglichst umfassend umzusetzen und fromm zu leben. 

Politischer Salafismus hingegen strebt an, diese religiösen Regeln auf die gesamte Gesellschaft zu übertragen und einen vermeintlich „authentischen“ islamischen Gottesstaat zu errichten. Er lehnt demokratische Staatssysteme ab und ist damit eine anti-demokratische und verfassungsfeindliche Ideologie. Der politische Salafismus nutzt Versatzstücke der islamischen Religion, um diese extremistische Ideologie zu unterstützen. Man kann daher von einem politischen Extremismus mit religiösen Begründungsmustern sprechen.

Gewaltbereiter Salafismus legitimiert auch Waffengewalt

In seiner gewaltbereiten Variante legitimiert der Salafismus auch Waffengewalt, um seine Ideologie umzusetzen und die Errichtung eines Gottesstaates zu verwirklichen. Der bewaffnete militärische Kampf rückt somit in den Fokus dieser Salafistinnen und Salafisten. 

Bei der Verwendung des Begriffs „Salafismus“ beziehen wir uns auf diesen Seiten immer auf die gewaltbereite und verfassungsfeindliche Ausgestaltung des Salafismus.

Neben dem extremistischen Salafismus gibt es auch weitere Formen religiös begründeter extremistischer Ideologien, die sich auf den Islam berufen. Diese Ideologien, die ebenfalls auf die Errichtung eines islamischen Gottesstaates abzielen, fasst man oftmals unter dem Sammelbegriff "Islamismus".

Weitere Informationen zu diesen Strömungen erhalten Sie beispielsweise auf der Website des Ministerium des Innern Nordrhein-Westfalen.

Extremistischer und gewaltbereiter Salafismus in NRW

In Nordrhein-Westfalen lassen sich ab 2003 erste gezielte Aktivitäten der salafistischen Szene in deutscher Sprache ausmachen. Salafistinnen und Salafisten sind dabei in allen Regionen Nordrhein-Westfalens aktiv, mit Schwerpunkten in den Ballungszentren des Rheinlands und des Ruhrgebiets.

Die salafistische Szene in Nordrhein-Westfalen war in den vergangenen Jahren gut organisiert - in zahlreichen kleineren lokalen Gruppierungen, überregionalen Netzwerken sowie Kultur-, Moschee-  und Hilfsvereinen. Im Fokus der salafistischen Aktivitäten stand vor allem die Missionierungsarbeit, auch auf der Straße.

Wegen Strafverfahren und Vereinsverboten weicht die salafistische Szene nun aber zunehmend in den nicht-öffentlichen Raum aus. Besonders salafistische „Hilfsorganisationen“ und die Gefangenenhilfe spielen dabei eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang werden auch Frauen als Akteurinnen im extremistischen Salafismus immer bedeutsamer.

Gewaltorientierte Personen stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes

Aktuell gibt es 3.200 bekannte extremistische Salafistinnen und Salafisten in NRW (Stand: Juni 2020), darunter rund 600 Frauen und 750 gewaltorientierte Personen. Sie stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes NRW. Die Anhängerzahlen sind dabei seit 2018 im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern langsamer angestiegen.

Der größte Teil der Anhängerinnen und Anhänger des extremistischen Salafismus ist in Deutschland geboren, aufgewachsen und sozialisiert worden. Zwei Drittel von ihnen besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Nur ein kleiner Teil der bekannten Salafistinnen und Salafisten, nämlich rund fünf Prozent, sind nach aktuellem Stand Geflüchtete.

Rückkehrende sind eine besondere Herausforderung

Eine besondere Herausforderung für die Sicherheitsbehörden sind die Rückkehrenden aus dschihadistischen Kampfgebieten.

263 Personen sind bis Juni 2020 als Dschihadistinnen und Dschihadisten in Krisengebiete ausgereist. Davon sind mittlerweile 86 ausgereiste Personen nach Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt. Rund 110 weitere Personen aus Nordrhein-Westfalen halten sich immer noch in den Dschihad-Gebieten, insbesondere in Syrien, auf.

Darüber hinaus umfasst die Gruppe der Rückkehrenden aber sehr unterschiedliche Personen: Dazu gehören nicht nur radikalisierte oder traumatisierte Jugendliche und Erwachsene, die unverändert der dschihadistischen Ideologie anhängen und über Kampferfahrungen verfügen, sondern auch Personen, die dieser Vergangenheit den Rücken kehren wollen und Hilfe benötigen, genauso wie Kleinkinder.

In NRW organisiert seit dem Herbst 2019 der Rückkehrkoordinierende alle Maßnahmen im Umgang mit den Zurückgekehrten.