Illustration bunter geometrischer Formen, die ineinanderpassen.

Themenspektrum

Die Präventionsmaßnahmen der Landesregierung decken ein vielfältiges Themenspektrum ab. Nur so können wir eine umfassende Antwort auf die Herausforderung des extremistischen Salafismus finden.

Neben den unterschiedlichen Handlungsebenen deckt der Ansatz der Landesregierung NRW auch ein breites Themenspektrum ab: 

Betrachtung von besonderen Sozialräumen

In manchen Stadtvierteln ist die Radikalisierungsgefahr größer als in anderen. Erfolgreiche Prävention muss das berücksichtigen. Hier ist es besonders wichtig, die Akteure vor Ort zu vernetzen. Das so geschaffene Netzwerk identifiziert gefährdete und bereits radikalisierte junge Menschen im Sozialraum und fängt sie auf.

Beispielprojekt "Demokratiewerkstätten" der Landeszentrale für politische Bildung

Musliminnen und Muslime als Akteure in der Salafismusprävention

Moscheegemeinden verfügen über besondere sprachliche und kulturelle Zugänge zu ihrer Community. Sie haben das Potential, Radikalisierungstendenzen früh zu erkennen und gegenzusteuern. Muslimische Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können gerade Jugendlichen vorleben, dass muslimische Glaubensüberzeugungen im Einklang mit demokratischen Werten stehen. Die Einbindung der Moscheegemeinden in hauptamtliche Strukturen ist daher sinnvoll. 

In vereinzelten Fällen gelingt es jedoch salafistischen Predigern auch immer wieder Einfluss in muslimischen Gemeinden auszuüben. Hier ist eine Auseinandersetzung mit der Problematik ebenfalls notwendig, um erfolgreich Salafismus vorzubeugen. 

Beispielprojekt Veranstaltungsreihe „Starke Jugend: Gemeinsam für Demokratie - Gegen religiösen Extremismus!“ der Landeszentrale für politische Bildung

Sensibilisierung von Kindern, Jugendlichen und Eltern

Um Kinder und Jugendliche vor salafistischer Propaganda zu schützen, müssen ihr familiäres und soziales Umfeld sie auf diese Herausforderung vorbereiten. Hier spielt die außerschulische Jugendarbeit eine wichtige Rolle.

Zum Thema Elternarbeit hat sich eine Unterarbeitsgruppe unter der Leitung der Integrationsabteilung des Ministeriums für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration gegründet. Sie fokussiert sich dabei auf Akteure, die hauptberuflich oder ehrenamtlich mit und für Eltern arbeiten. Aus dieser Zusammenarbeit soll ein Pool von Mittlerinnen und Mittlern entstehen. Wichtige Themen in diesem Zusammenhang sind die Lebenswelten muslimischer Kinder und Jugendlicher, die Elternarbeit mit Vätern, oder auch die Stärkung muslimischer Eltern. 

Der Arbeitskreis „Salafistische Radikalisierung und Gefährdung von und durch Minderjährige“ widmet sich innerhalb der IMAG „Salafismusprävention“ speziell dem Umgang mit radikalisierten Kindern und Jugendlichen. Außerdem entwickelt der Arbeitskreis in der Zusammenarbeit mit den Jugendämtern Fortbildungsangebote und Handlungsleitfäden für salafistische Problematiken. 

Beispielprojekt Jugendprojekt „Herausforderung extremistischer Salafismus" des Ministeriums des Innern

Deradikalisierung in Justizvollzugsanstalten

Auch im Justizvollzug ist die Landesregierung präventiv aktiv. Schwerpunkte sind hier das Erkennen gefährdeter Personen, die Verhinderung neuer Radikalisierungen sowie die Deradikalisierung von ausstiegswilligen Personen im Justizvollzug.

Hier setzt auch das Projekt „Prävention von Radikalisierung im Justizvollzug des Landes NRW“ an. Dieses Projekt schult zum einen Bedienstete des Justizvollzugs und Angestellte aus anderen Justizbereichen, wie Landgerichten, zu den Themen Islam und Radikalisierung. So sollen sie befähigt werden, salafistische Radikalisierungstendenzen frühzeitig zu erkennen. Zum anderen richtet sich das Projekt direkt an Gefangene. Es etabliert sowohl Präventionsprogramme zur Vermittlung von Demokratie und Rechtstaat als auch eine muslimische Religionsbetreuung in den Haftanstalten. 

Mehr Informationen zum Projekt des Ministeriums der Justiz 

Ausbau der Sensibilisierung von Lehrerinnen und Lehrern

Prävention im Schulbereich ist ein weiterer wichtiger Schwerpunkt. Von besonderer Bedeutung ist hier das Zusammenspiel von Schule, Jugendhilfe und offener Jugendarbeit. Ziel ist, Schulen und das dortige Lehrpersonal umfassend über die Ideologie des gewaltbereiten Salafismus, über Radikalisierungsprozesse und entsprechende Handlungsmöglichkeiten zu informieren. 

Beispielprojekt Schulungsprogramm „Interkulturelle Schulentwicklung – Demokratie gestalten" des Ministeriums für Schule und Bildung

Medienkompetenz und Gegenmaßnahmen zur salafistischen Propaganda

Die salafistische Szene setzt stark auf Mediennutzung. Durch Propaganda im Internet und in den sozialen Netzwerken verbreitet sie ihre Botschaften in kürzester Zeit weltweit. Damit erreicht sie insbesondere Jugendliche. Erfolgreiche Salafismusprävention muss darüber aufklären sowie mediale Gegenmaßnahmen und Gegennarrative bieten. 

Beispielprojekt "bildmachen", gefördert durch die Landeszentrale für politische Bildung.

Sensibilisierung und Deradikalisierung von Frauen und Mädchen

Frauen und Mädchen sind zunehmend auch im gewaltbereiten Salafismus aktiv. Laut neueren Erkenntnissen des Verfassungsschutzes nehmen Frauen eine wichtige Rolle bei der Vernetzung und der Anwerbung weiterer Anhängerinnen ein. Auch über die Ideologisierung ihrer Kinder üben sie massiv Einfluss aus. 

Es wird daher immer wichtiger, die Gründe von Frauen und Mädchen für eine Radikalisierung zu berücksichtigen und auf dieser Basis entsprechende Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. 

Die interministerielle Arbeitsgruppe „Salafismusprävention“ hat deshalb die Unterarbeitsgruppe „Umgang mit radikalisierten Frauen“ eingerichtet. Sie trat erstmals 2018 unter Leitung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung (MHKBG) zusammen. Geplant ist, aus dieser Unterarbeitsgruppe heraus perspektivisch weitere Präventionsprojekte mit gleichstellungspolitischem Fokus zu initiieren. 

Beispielprojekt Video-Projekt Westfälische Hochschule (W-HS) Gelsenkirchen Bocholt Recklinghausen – Lebensentwürfe muslimischer Frauen und Mädchen, gefördert durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration